Kerninformationen aus dem Sicherheitsrat
Bei einer Debatte des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen wurde der enge Zusammenhang zwischen bewaffneten Konflikten und Hunger betont. Der Generalsekretär António Guterres berichtete, dass im vergangenen Jahr mindestens 266 Millionen Menschen weltweit von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen waren. Zum ersten Mal seit Beginn des Jahrhunderts wurden gleichzeitig Hungersnöte in Sudan und im Gazastreifen bestätigt. Laut Guterres sind Konflikte und Gewalt nun die Hauptursache für Hunger in zwölf der dreizehn am stärksten gefährdeten Regionen der Vereinten Nationen.
Fallbeispiel Somalia
Ein somalisches Elternpaar mit vier Kindern musste nach dem Erscheinen bewaffneter Gruppen, die Zahlungen für die weitere Bewirtschaftung des Landes verlangten, ihre Farm verlassen. Die Familie legte etwa 100 Kilometer zu Fuß zurück, um ein Flüchtlingslager zu erreichen; dabei verstarb ein Kind. Dieses Schicksal illustriert, wie Krieg landwirtschaftliche Existenzgrundlagen zerstört und Menschen zur Flucht zwingt.
Maritime Engpässe als Katalysatoren
Carl Skau, amtierender Leiter des Welternährungsprogramms (WFP), erklärte, dass drei Seewege – das Schwarze Meer, das Rote Meer und die Straße von Hormus – zunehmend zu Knotenpunkten werden, an denen militärische Aktionen globale Nahrungsmittel- und Energieketten stören. Angriffe auf Schiffe oder Häfen in diesen Regionen führen zu Preissteigerungen, die weit über die unmittelbaren Kriegsschauplätze hinauswirken.
Preissteigerungen durch gestörte Lieferwege
Im Schwarzen Meer, einem wichtigen Getreideexporteur, seien die Warentransporte um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, berichtete das WFP. Gleichzeitig beeinträchtigen Angriffe im Roten Meer und Beschränkungen in der Straße von Hormus den Handel mit Öl und Düngemitteln, was die Kosten für Nahrungsmittel weltweit in die Höhe treibt.
Sudan: steigende Nahrungsmittelkosten
In Sudan seien die Preise für Grundnahrungsmittel seit Februar um fast 40 Prozent gestiegen, erklärte Skau. Höhere Treibstoffpreise wirken sich auf Bewässerung, Transport und Mahlanlagen aus, während Unterbrechungen bei Düngemittelexporten die Aussaat in Afrika und Asien gefährden. Für Länder, die stark auf Importe angewiesen sind, bedeutet dies weniger Mahlzeiten für die Bevölkerung.
Somalia: Ausmaß der Hungersnot
Nach Angaben des WFP sind in Somalia etwa sechs Millionen Menschen, rund ein Drittel der Bevölkerung, von akuter Hunger oder schlimmeren Zuständen betroffen; fast zwei Millionen Kinder leiden an akuter oder schwerer Unterernährung. Das WFP kann derzeit nur rund 600 000 Menschen unterstützen, also etwa einen Zehntel der Betroffenen. In der Stadt Baidoa verhinderte jüngste Kämpfe die Versorgung von rund 5 000 Kindern mit Nahrungsprogrammen.
Politische Vorgaben und Aufrufe
Die Vereinten Nationen haben 2018 die Resolution 2417 verabschiedet, die den Zusammenhang von Konflikt und Hunger offiziell anerkennt. Guterres forderte die Mitglieder des Sicherheitsrats auf, landwirtschaftliche Infrastruktur, Wasseranlagen, Märkte, Lager und Transportwege zu schützen und frühzeitig zu reagieren, bevor Hungersnöte die Schwelle zur Katastrophe überschreiten.
Ressourcenknappheit bei Hilfsorganisationen
Die humanitären Akteure sehen sich mit einer steigenden Zahl von Konflikten, Vertriebenen und gestörten Handelsrouten konfrontiert, während ihre finanziellen Mittel gleichzeitig schrumpfen. In Somalia könne das WFP nur einen Bruchteil der früher erreichten Hilfe leisten, was die Fähigkeit, drohende Hungersnöte abzuwenden, stark einschränkt.
Ausblick und Handlungsbedarf
Die Vereinten Nationen betonen, dass die Vorhersage von Hungersnöten zwar verbessert sei, die eigentliche Herausforderung jedoch in der rechtzeitigen Bereitstellung von Hilfe liege. Ohne frühzeitige Intervention könnten aktuelle Konflikte langfristige Folgen für Ernten und Nahrungsmittelpreise nach sich ziehen. Die internationale Gemeinschaft werde aufgefordert, sowohl Präventionsmaßnahmen als auch ausreichende Ressourcen für humanitäre Einsätze zu sichern.Dieser Bericht basiert auf Informationen von United Nations, lizenziert unter Public Data / Terms of Use (Attribution Required). Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
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