UN: UN Women warnt vor geschlechtsspezifischen Verzerrungen in KI
UN Women hat am Montag einen Bericht veröffentlicht, demnach Künstliche Intelligenz (KI) geschlechtsspezifische Vorurteile reproduziert und damit Frauen benachteiligt. Der Bericht weist darauf hin, dass diese Verzerrungen nicht zufällige Fehler, sondern systematische Muster seien, die aus jahrzehntelanger ungleicher Darstellung von Frauen und Männern resultieren.
Studien belegen geschlechtsspezifische Verzerrungen
Eine Analyse von 133 KI‑Systemen ergab, dass 44 % geschlechtsspezifische Vorurteile zeigten, während mehr als ein Viertel sowohl geschlechtliche als auch rassische Vorurteile aufwiesen. Große Sprachmodelle verbinden Frauen häufig mit Haushalt, Familie und Kinderbetreuung, während Männer mit Wirtschaft, Führung und Karriere verknüpft werden.
Beispiele aus der Praxis
Laut UN Women lieferten Anfragen an große Sprachmodelle, die mit einem Geschlecht begannen, in etwa ein von fünf Fällen sexistische oder frauenfeindliche Antworten. In einigen Fällen beschrieben die Systeme Frauen als Eigentum oder als untergeordnete Personen.
Expertenmeinungen
Jayathma Wickramanayake, UN Women Lead on Digital Technologies, erklärte gegenüber UN News, KI‑Modelle „ziehen Vorurteile aus Jahrzehnten von Texten, die von Menschen über Menschen geschrieben wurden, in einer Welt, in der Frauen dem Haushalt und der Familie zugeordnet wurden und Männer der Wirtschaft und Karriere“. Sie betonte, dass es sich dabei nicht um einen Designfehler, sondern um eine politische Lücke handle.
Politische LĂĽcken
Von 138 untersuchten Ländern beziehen nur 24 das Thema Geschlecht in ihre nationalen KI‑Strategien ein, und lediglich 18 enthalten konkrete geschlechtergerechte Maßnahmen. UN Women sieht darin ein Versäumnis, das die Gleichstellung langfristig gefährdet.
Arbeitsmarkt und Wirtschaft
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) berichtet, dass Frauen weltweit nur 30 % der KI‑Arbeitskräfte ausmachen. Zudem sind Frauen fast doppelt so häufig wie Männer in Berufen beschäftigt, die einem hohen Risiko der Automatisierung ausgesetzt sind. Diese Doppelbelastung könne zu verstärkten wirtschaftlichen Ungleichheiten führen.
Geschäftlicher Nutzen von Inklusion
Eine Untersuchung der Stereotype Alliance, einer von UN Women initiierten Initiative, zeigte, dass werbefreie, geschlechterneutrale Werbung höhere Umsätze, stärkere Kundenbindung und bessere Preisgestaltung erzielt. Unternehmen, die Inklusion in ihre KI‑Prozesse integrieren, könnten demnach Wettbewerbsvorteile erlangen.
Ausblick und Handlungsaufruf
Im Vorfeld des Globalen Dialogs über KI‑Governance und des AI for Good‑Summits in Genf im Juli ruft UN Women Regierungen, Unternehmen und Entwickler auf, Gleichstellung in allen Phasen des KI‑Lebenszyklus zu verankern. Ohne die Einbindung von Frauen und anderen unterrepräsentierten Gruppen bestünde das Risiko, bestehende Vorurteile in zukünftige Technologien zu übertragen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von UN News, lizenziert unter Public Data / Terms of Use (Attribution Required). Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
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