Deutschland: UNDP warnt vor enormen HĂĽrden beim Wiederaufbau des Gazastreifens
Kosten und Ausmaß der Zerstörung
Jaco Cilliers, Sonderbeauftragter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), erklärte, dass mindestens 71,4 Milliarden US‑Dollar für den Wiederaufbau des Gazastreifens veranschlagt werden. Laut seiner Einschätzung sind rund 90 % der Infrastruktur, einschließlich fast aller Krankenhäuser und Schulen, zerstört.
Hindernisse bei der Hilfslogistik
Der am 10. Oktober 2025 in Kraft getretene Waffenstillstandsabkommen halte Cilliers für brüchig. Der Zugang für Hilfsorganisationen, Güter und Wiederaufbaumaterial sei nach wie vor unzureichend, was die Umsetzung von Hilfsmaßnahmen erschwere.
Prioritäten und Zeithorizont
Der Sonderbeauftragte betonte, dass die Trümmerbeseitigung, die Schaffung von Wohnraum und die Versorgung mit Lebensmitteln vorrangig seien. Erst nach deren Abschluss könne mit dem eigentlichen Wiederaufbau begonnen werden. Er schätze, dass der Wiederaufbau mindestens ein Jahrzehnt beanspruche.
Humanitäre Lage
Von rund 2,2 Millionen Bewohnern des Gazastreifens könnten 1,9 Millionen nicht in ihren Häusern leben. Es bestehe ein akuter Mangel an Wasser und Lebensmitteln, 728 000 Kinder besuchten seit Kriegsbeginn keine Schule mehr und die Arbeitslosenquote liege bei 84 %.
Finanzielle Kontrolle
Auf die Frage, wie das UNDP sicherstelle, dass Hilfsgelder nicht an die im Gazastreifen noch operierende Hamas gelangen, verwies Cilliers auf strenge Prüfungen aller Empfänger. Er betonte, dass die Hamas‑Strukturen durch den Krieg stark reduziert seien.
Politische Rahmenbedingungen
Cilliers erklärte, dass einheitliche palästinensische Regierungsstrukturen, die die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) einbeziehen, notwendig seien. Das UNDP unterstütze diesen Prozess sowie die umfassende Reform der PA.
Situation im Westjordanland
Nach Angaben des Sonderbeauftragten habe die Gewalt jüdischer Siedler gegen Palästinenser stark zugenommen, Häuser und Ackerland würden regelmäßig zerstört. Die wirtschaftliche und soziale Lage habe sich verschlechtert. Das UNDP unterstütze dort Projekte, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert werden, etwa zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zum Bau von Krankenhäusern.
Finanzierungsproblematik
Cilliers wies darauf hin, dass Kürzungen in den Entwicklungsbudgets vieler Länder die Arbeit des UNDP erschweren. Langfristige Vorhaben erforderten neue Finanzierungswege, beispielsweise durch private Akteure.
Aussagen der Bundesregierung
Der Parlamentarische Staatssekretär im BMZ, Johann Saathoff, bestätigte, dass die Rahmenbedingungen für das UNDP‑Programm sowohl in Gaza als auch im Westjordanland angesichts der finanziellen Lage der PA schwieriger geworden seien. Er versicherte, dass das Programm fortgeführt werde, solange es notwendig sei.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Deutscher Bundestag, lizenziert unter Amtliches Werk gem. § 5 UrhG (Deutschland).
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