Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass das visuelle System sowohl einfache als‑well wie komplexe Rückmeldungen nutzt, um die Verarbeitung von Sinneseindrücken zu unterstützen. Die Forscher kombinierten dabei ein peripheres Objektdiskriminationsparadigma mit hochauflösendem 7‑Tesla‑fMRI und Magnetenzephalographie (MEG), um Rückmeldungen vom höheren zum frühen visuellen Kortex zu isolieren.
Hintergrund und Zielsetzung
Das Gehirn arbeitet hierarchisch, wobei Signale von höheren zu niedrigeren Regionen als Feedback bezeichnet werden. Bisher war unklar, welche Arten von Informationen in diesen Rückmeldungen codiert werden und wie sie sich hinsichtlich ihrer räumlichen und zeitlichen Merkmale unterscheiden.
Methodik
Probanden führten eine Aufgabe aus, bei der sie Objekte im peripheren Sichtfeld unterscheiden mussten, während gleichzeitig fMRT‑Daten der frühen visuellen Cortex‑Regionen (V1) und MEG‑Aufzeichnungen erhoben wurden. Die Analyse zielte darauf ab, Signale zu trennen, die von Feed‑forward‑ zu Feedback‑Richtungen gehören.
Ergebnisse: Niedrigordentliche Feedbacksignale
Die Bilddaten zeigten, dass Rückmeldungen einfache Merkmale wie Orientierung und räumliche Frequenz transportieren. Diese niedrigordentlichen Signale erreichten ausschließlich die tiefen Schichten von V1, wo sie bereits in der nativen Kodierung des Kortex vorhanden sind.
Ergebnisse: Hochordentliche Feedbacksignale
Im Gegensatz dazu transportierten andere Rückmeldungen komplexe Merkmale, etwa Kategorie und Identität von Objekten. Diese hochordentlichen Signale wurden sowohl in den oberflächlichen als auch in den tiefen Schichten von V1 nachgewiesen, was auf eine breitere laminäre Verteilung hindeutet.
Zeitliche Dynamik
MEG‑Messungen ergaben, dass die Rückmeldungen aus dem okzipito‑temporalen Kortex etwa 200 ms nach Stimuluspräsentation in den frühen visuellen Kortex eintraten. Die hochordentlichen Rückmeldungen zeigten dabei ein stärkeres und früheres Auftreten im Vergleich zu den niedrigordentlichen Signalen.
Verhaltenskorrelation
Nur die Stärke der hochordentlichen Rückmeldungen korrelierte signifikant mit der individuellen Leistungsgenauigkeit bei der Objektdiskriminierung, während die niedrigordentlichen Signale keinen messbaren Zusammenhang aufwiesen.
Bedeutung für Vorhersageprozesse
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das visuelle System unterschiedliche Feedbackkomponenten nutzt: einfache, tiefschichtige Signale unterstützen die Grundverarbeitung, während komplexe, breit laminär verteilte Signale prädiktive Informationen bereitstellen, die das Verhalten unmittelbar beeinflussen.
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