USA: Utah fĂĽhrt Gesetz zur Regulierung von VPN-Nutzung im Zusammenhang mit Altersverifikation ein
Am 6. Mai 2026 tritt in Utah ein neues Gesetz in Kraft, das die Nutzung von Virtual Private Networks (VPN) im Zusammenhang mit gesetzlich vorgeschriebenen AltersverifikationsmaĂźnahmen reguliert. Das Gesetz, offiziell „Online Age Verification Amendments“ (SB 73), wurde am 19. März 2026 vom Gouverneur Spencer Cox unterzeichnet und enthält neben einer 2 %igen Steuer auf Einnahmen aus Online‑Adult‑Content weitere Bestimmungen, die den Umgang mit VPNs betreffen.
Hintergrund des Gesetzes
In den vergangenen Jahren haben mehrere US‑Bundesstaaten und Länder weltweit Altersverifikationspflichten eingeführt, um den Zugang zu Inhalten für Minderjährige zu beschränken. In vielen Fällen hat dies zu einem Anstieg der VPN‑Nutzung geführt, weil Nutzer ihre Standortdaten verbergen wollen. Utah hat diese Entwicklung beobachtet und beschlossen, die Nutzung von VPNs selbst zu regulieren, anstatt die Altersverifikationsregelungen zu überarbeiten.
Kernpunkte der VPN‑Regelung
Der Gesetzestext verändert § 78B‑3‑1002 in zwei wesentlichen Aspekten: Erstens gilt ein Zugriff als aus Utah stammend, wenn sich die Person physisch im Bundesstaat befindet, unabhängig davon, ob ein VPN, ein Proxy‑Server oder ein ähnliches Werkzeug verwendet wird. Zweitens dürfen kommerzielle Anbieter, die „einen wesentlichen Teil von material, das für Minderjährige schädlich ist“ hosten, keine Anleitungen zur Nutzung von VPNs geben und keine Mittel bereitstellen, um Geofencing zu umgehen.
Mögliche Folgen für Online‑Dienste
Durch die Verpflichtung, das Alter aller in Utah befindlichen Nutzer zu prüfen – auch wenn diese über ein VPN zugreifen – entsteht ein erhebliches Haftungsrisiko für Betreiber von Websites. Nach Ansicht von Rechtsexperten könnte dies dazu führen, dass Plattformen entweder sämtliche bekannte VPN‑IP‑Adressen blockieren oder globale Altersverifikationssysteme einführen, um das Risiko zu minimieren. Beide Szenarien würden die Privatsphäre von Millionen Nutzern beeinträchtigen.
Technische Realisierbarkeit
Die Umsetzung einer vollständigen VPN‑Blockade erfordert ein ständiges Aktualisieren von IP‑Listen, da Anbieter kontinuierlich neue Adressen hinzufügen. Selbst wenn Unternehmen versuchen, alle bekannten VPN‑ und Proxy‑IP‑Adressen zu sperren, würden Nutzer schnell zu privaten Tunneln, Cloud‑basierten Lösungen oder residential‑Proxies wechseln, die kaum von regulärem Datenverkehr zu unterscheiden sind. Die technische Machbarkeit der Gesetzesanforderungen ist daher stark eingeschränkt.
Kritische Stimmen
Der Cato Institute bemängelt, dass ein Gesetz, das den Einsatz eines weit verbreiteten Datenschutz‑Tools einschränkt, das eigentliche Problem – die Altersverifikationspflicht – nicht löse. Der britische Children’s Commissioner bezeichnet VPNs als „Loophole, das geschlossen werden muss“, während der französische Minister für Künstliche Intelligenz und digitale Angelegenheiten erklärt, dass VPNs das nächste Thema auf seiner Agenda seien. All diese Äußerungen verdeutlichen die Bedenken, dass das Utah‑Gesetz die digitale Freiheit stärker einschränken könnte als beabsichtigt.
Ausblick
Wenn das Gesetz in Utah wirksam wird, könnte es als Präzedenzfall für weitere US‑Bundesstaaten und internationale Regulierungsbehörden dienen, die ähnliche Maßnahmen erwägen. Beobachter warnen, dass ein solcher Ansatz die Grundstruktur eines offenen Internets gefährden und langfristig zu einem fragmentierten Netz führen könnte, in dem Datenschutz‑Tools zunehmend kriminalisiert werden.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Electronic Frontier Foundation, lizenziert unter Creative Commons Attribution 4.0 (CC BY 4.0). Offene journalistische Inhalte.
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