Eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie aus Schweden hat gezeigt, dass eine Vakuum‑assistierte Geburt (VAD) im mittleren oder niedrigen Kopfstationsbereich mit einer höheren neonatalen Morbidität einhergeht, jedoch keine gesteigerte Gefahr für langfristige neuroentwicklungsbedingte Störungen im Vergleich zu Not‑Kaiserschnitt (ECD) aufweist.
Studienaufbau
Forscher analysierten Daten aus landesweiten Gesundheitsregistern und schlossen alle termingerechten Einlingsgeburten von Erstgebärenden zwischen 1997 und 2014 ein (n=630.985). Die Nachbeobachtungszeit erstreckte sich bis Ende 2021, wodurch eine mittlere Nachverfolgungsdauer von 13–14 Jahren erreicht wurde. Analysen wurden nach Geschlecht der Kinder getrennt durchgeführt.
Neonatale Ergebnisse
Im Vergleich zu ECD wies die mittlere/untere VAD ein signifikant erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen (traumatisch aOR 7,20, 95 % CI [2,97‑17,45]; nicht‑traumatisch aOR 3,65, 95 % CI [2,41‑5,52]), Subgalealhämatome (aOR 3,35, 95 % CI [2,68‑4,20]) und neonatale Krampfanfälle (aOR 1,85, 95 % CI [1,52‑2,26]) auf. Gleichzeitig war das Risiko für Mekoniumaspiration reduziert (aOR 0,53, 95 % CI [0,42‑0,67]).
Langzeitneuroentwicklung
Langfristig zeigte die mittlere/untere VAD keine Erhöhung der Inzidenz von ADHS, Autismus, Zerebralparese oder Epilepsie. Für Intelligenzminderung wurde sogar ein geringeres Risiko beobachtet (aHR 0,80, 95 % CI [0,67‑0,96]) gegenüber ECD. Eine VAD im Ausgangsbereich (Outlet VAD) wies ein Risikoprofil auf, das dem spontanen vaginalen Vorgehen entsprach und damit niedriger war als bei ECD.
Einschränkungen
Die Studie konnte keine Angaben zu den genauen Indikationen für die Interventionen sowie zum Zeitpunkt des Not‑Kaiserschnitts (erste oder zweite Geburtsphase) erfassen. Zudem bleiben mögliche Unterschiede in den klinischen Umständen, die zu VAD oder ECD führten, unberücksichtigt.
Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass VAD im mittleren/unteren Kopfstationsbereich zwar die neonatale Morbidität erhöht, jedoch langfristig keine zusätzlichen neuroentwicklungsbedingten Risiken gegenüber Not‑Kaiserschnitt mit sich bringt. Outlet VAD scheint hinsichtlich langfristiger Folgen sicher zu sein. Dennoch sollten klinische Entscheidungen weiterhin die individuellen Umstände jeder Geburt berücksichtigen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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