Aktuelle Lage
Sieben Wochen nach den Erdbeben am 24. Juni 2026 bleiben tausende Bürger in La Guaira an den Trümmern, weil die offizielle Unterstützung für Suchaktionen unzureichend ist. Viele von ihnen leben in Zelten in unmittelbarer Nähe zu den Einsturzstellen und hoffen, ihre Angehörigen zu finden.
Statistische Angaben
Nach Angaben der Regierung von Delcy Rodríguez waren bis zum 22. Juli mehr als 5 300 Menschen tot, 16 740 verletzt und 17 907 obdachlos. Die offizielle Meldung enthielt keine Zahl zu Vermissten, obwohl die Vereinten Nationen rund 50 000 fehlende Personen schätzten und unabhängige Initiativen etwa 40 000 Vermisste dokumentierten.
Rolle der Suchenden
Ein großer Teil der Such- und Rettungsarbeit wird von weiblichen Bürgern übernommen, die neben der Suche auch Trümmer beseitigen, Hilfsgüter verteilen und Angehörige in den Bestattungsämtern unterstützen. UN Women hat in vergleichbaren Krisen bereits auf die überproportionale Belastung von Frauen hingewiesen.
Fallbeispiel: Miriam Villalta
Die 50‑jährige Miriam Villalta kehrte im Juli aus Peru zurück, um nach ihrem 31‑jährigen Sohn Greiber zu suchen, der im Turm D des Wohnkomplexes „Luisa Cáceres de Arismendi“ vermisst wird. Sie lebt seit über 15 Tagen in einem Zelt nahe dem Komplex, ohne Nachricht von ihrem Sohn, und erklärt: „Ich verlasse diesen Ort nicht, bis mein Sohn gefunden ist.“
Versorgungsengpässe
Villalta berichtet, dass Hilfsgüter erst nachts eintreffen und dass die Spenden, insbesondere Nahrungsmittel, im Verlauf der Wochen stark zurückgegangen sind. Sie kritisiert das Fehlen gezielter Unterstützung für vermisste Angehörige, während andere Berufsgruppen bereits Präsenz zeigen.
Wohnkomplex und Opferzahlen
Der staatlich geförderte Wohnkomplex, Teil des Programms „Misión Vivienda“, bestand aus vier Türmen; Turm C stürzte vollständig ein. Nach Angaben von Angehörigen wurden dort über 200 Leichen geborgen. Insgesamt wurden mindestens 16 Gebäude des Projekts „Opppe“ (Office for Special Plans and Projects) zerstört und 27 weitere als unbewohnbar eingestuft.
Fallbeispiel: Daniela Castro
Die 28‑jährige Daniela Castro verbringt ihre Tage in den Ruinen des Gebäudes Opppe‑26 in Caraballeda, wo ihre 65‑jährige Mutter und zwei Neffen lebten. Trotz wiederholter Rettungsaktionen hat sie bislang keinen Angehörigen gefunden. Nach einer Fehlinformation über den Fund einer Leiche, die nicht ihrer Mutter entsprach, bleibt sie in einem Zustand des „Dazwischenseins“.
Fortdauernde Unsicherheit
Die anhaltende Suche, das Fehlen verlässlicher Informationen zu Vermissten und die schwindenden Hilfsgüter verdeutlichen die anhaltende humanitäre Krise in den betroffenen Gebieten. Bis ein umfassender Wiederaufbau und eine systematische Vermisstenmeldung etabliert sind, bleiben viele Bürger an den Trümmern und in der Ungewissheit gefangen.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
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