Unklare Freigaben
Am 16. Januar erklärte die amtierende Präsident Delcy Rodríguez, dass 406 politische Gefangene freigelassen worden seien, während der Menschenrechtsverein Foro Penal nur 84 bestätigte. Die Ankündigung der Nationalversammlungsvorsitzender Jorge Rodríguez am 8. Januar, eine „bedeutende Zahl“ von Inhaftierten zu entlassen, blieb ohne konkrete Liste.
Beteiligte zivilgesellschaftliche Gruppen
Verschiedene Organisationen koordinieren den Druck auf die Behörden: das Comité por la Liberación de los Presos Políticos (CLIPPVE), das Comité de Madres en Defensa de la Verdad, das Menschenrechts‑NGO Foro Penal und Provea. Angehöriger, vor allem Frauen, bringen Nahrung und Medizin zu den Inhaftierten und organisieren Proteste.
Hintergrund der Menschenrechtslage
Seit der umstrittenen Parlamentswahl 2024 berichtet das von den Vereinten Nationen beauftragte Fact‑Finding‑Mission von systematischer, politisch motivierter Verfolgung. Das NGO‑Register Foro Penal führt 863 Personen als politisch motivierte Gefangene, darunter Journalisten, Ausländer und ältere Menschen.
Aktivitäten und Vorfälle
Die Gruppen setzen auf gewaltfreie Aktionen: Kerzenlichter, Gebete, Namenslisten und das Tragen von schwarzem Stoff mit dem Aufruf „Liberen A Los Presos Políticos“. Am 5. August 2025 wurde das Comité de Madres bei einem unidentifizierten Angriff in der Nähe des Obersten Gerichts verletzt. Am 13. Januar hielten Angehöriger an der kolumbianisch‑venezolanischen Grenze eine Mahnwache ab.
Stimmen aus der Bewegung
Der Anwalt und Aktivist Marino Alvarado betonte bei einem Treffen im August 2024, dass Organisation der Schlüssel zum Schutz der Menschenrechte sei. Oscar Murillo, Koordinator von Provea, forderte am 11. Januar verstärkte Anstrengungen für Erinnerung, Gerechtigkeit und Demokratie.
Internationale Perspektive
Die venezolanischen Initiativen werden mit den argentinischen „Abuelas de Plaza de Mayo“ verglichen, die seit 1977 erfolgreich vermisste Kinder identifizieren. Beide Bewegungen zeigen, wie zivilgesellschaftlicher Druck langfristig zur Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen beitragen kann.
Aktuelle Herausforderungen
Familien, die vor Gefängnissen warten, kämpfen mit Kälte, fehlendem Nahverkehr und wenig öffentlicher Unterstützung. Sie nutzen soziale Medien, insbesondere den Hashtag #QueSeanTodos, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Ausblick
Die Aktivisten sehen ihre Arbeit als entscheidenden Schritt für ein demokratischeres Venezuela. Trotz unsicherer Lage bleibt das Ziel, die Freilassung aller politischen Gefangenen und die Stärkung der Menschenrechte voranzutreiben.
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