USA: Vier Jahre nach Dobbs: US-Bundesstaaten verstärken Online‑Zensur im Abtreibungsdiskurs
Die Electronic Frontier Foundation (EFF) stellt fest, dass vier Jahre nach dem Obersten Gerichtshof‑Urteil Dobbs v. Jackson Women’s Health Organization die Auseinandersetzung um Abtreibungen zunehmend im digitalen Raum ausgetragen wird. In den USA haben mehrere Bundesstaaten seitdem rechtliche Schritte eingeleitet, die darauf abzielen, Websites, die Informationen zu reproduktiver Gesundheitsversorgung bereitstellen, zu beschränken oder zu entfernen.
Hintergrund und rechtlicher Kontext
Das Urteil Dobbs hat die bundesweite verfassungsrechtliche Garantie für Abtreibungen aufgehoben und damit den einzelnen Bundesstaaten die Möglichkeit eröffnet, eigene Regelungen zu erlassen. Seitdem beobachten Beobachter, dass die Debatte über reproduktive Rechte verstärkt über das Internet geführt wird, wobei staatliche Akteure versuchen, die Verbreitung von Informationen zu beeinflussen.
Cease-and-Desist‑Schreiben von Staatsanwälten
Nach Angaben der EFF haben Staatsanwälte in Alabama, Arkansas und North Dakota im Jahr 2026 formelle Unterlassungsaufforderungen an Betreiber von Informationsseiten gesendet. Der Generalstaatsanwalt von Alabama, Steve Marshall, forderte unter anderem die Gruppe Plan C auf, Inhalte zu entfernen, obwohl diese keine Medikamente vertreiben. Ähnliche Schreiben richteten sich gegen Mayday Health und das Prairie Abortion Fund, wobei insbesondere Verlinkungen zu anderen Informationsportalen kritisiert wurden.
Gesetzesinitiativen zur Einschränkung von Online‑Informationen
Im selben Zeitraum haben Gesetzgeber in South Dakota und Texas Gesetzentwürfe eingebracht, die das Bereitstellen von Informationen über Abtreibungen kriminalisieren könnten. Der South‑Dakota‑Gesetzestext definiert die Werbung für Abtreibungen sehr breit, während ein gescheiterter Texas‑Entwurf die Weitergabe von Anleitungen zur Beschaffung von Abtreibungspillen unter Strafe stellen wollte. Beide Vorhaben wurden von der EFF als potenzielle Eingriffe in das First‑Amendment‑Recht bewertet.
Einsatz von Verbraucherschutzgesetzen
Staatliche Behörden haben zudem Verbraucher‑schutzgesetze als Mittel zur Durchsetzung von Zensur genutzt. South Dakota reichte eine Klage gegen Mayday Health ein, weil deren Werbeanzeigen als „irreführend“ bezeichnet wurden. Missouri und Florida verfolgten ähnliche Strategien, indem sie medizinische Informationen über Abtreibungspillen als unlautere Geschäftspraktiken klassifizierten und in Florida sogar das RICO‑Gesetz anwandten.
Angriffe auf Internet‑Zwischenhändler
Ein weiterer Ansatz bestand darin, Internet‑Dienstleister zu verpflichten, die betroffenen Websites zu sperren. Im Jahr 2025 sandte der Generalstaatsanwalt von Arkansas Schreiben an Domain‑Registrare und Web‑Hoster, um die Unterstützung von Abtreibungs‑Informationsseiten zu beenden. Ein Gesetzentwurf des texanischen Senats aus dem März 2026 forderte zudem, dass Plattformen Inhalte nach § 230 des Telekommunikationsgesetzes entfernen, wenn sie sich auf Abtreibungen beziehen.
Bedeutung fĂĽr die Meinungsfreiheit
Die EFF warnt, dass die beschriebenen Maßnahmen nicht nur die Verfügbarkeit von Gesundheitsinformationen einschränken, sondern auch einen Präzedenzfall für die Beschneidung anderer politischer Meinungen schaffen könnten. Nach Angaben der Organisation bleibt die Verteidigung des Rechts auf freie Meinungsäußerung im Internet ein zentrales Ziel, das über den Kontext der reproduktiven Rechte hinausgeht.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Electronic Frontier Foundation, lizenziert unter Creative Commons Attribution 4.0 (CC BY 4.0). Offene journalistische Inhalte.
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