In den ländlichen Regionen Kasachstans fehlt mittags häufig das Leitungswasser, sodass die betroffene Bevölkerung frühmorgens große Behälter füllt und den Tag mit zusätzlichen Aufgaben wie Gartenpflege, Viehbetreuung und Schulwegbegleitung fortsetzt. Die Situation betrifft täglich rund 10 bis 15 Arbeitsstunden, die weder erfasst noch vergütet werden.
Ausmaß der Wasserverluste
Nach Angaben staatlicher Statistiken gehen in ländlichen Gebieten 40‑60 % des Wassers verloren. Zusätzlich mangelt es in vielen Dörfern an angemessener Sanitärinfrastruktur, sodass selbst verfügbares Wasser nicht immer trinkbar ist. Diese Zahlen spiegeln die tägliche Realität der betroffenen Menschen wider.
Arbeitsbelastung der ländlichen Bevölkerung
Die betroffenen Personen stehen bereits um 4 Uhr morgens auf, um an Bewässerungstagen mehrere Stunden in den Kanälen zu warten. Verpasst jemand seine Bewässerungszeit, droht das Erntenfeld zu verdorren. Das entspricht monatlich 40‑60 Stunden niedrigerwertiger, unbezahlter Arbeit.
Digitale Schulungen als Ansatz
Im Zeitraum Mai bis Juni 2026 wurden vier Trainings für die Dorfbewohner durchgeführt. Ziel war es, die bereits vorhandenen Smartphones für mehr als reine Messaging‑Dienste zu nutzen. Inhalte umfassten Erinnerungen für Vieh, digitale Farmtagebücher und die Nutzung einer eGov‑App zur Beantragung offizieller Dokumente ohne persönliche Behördengänge.
Beweissammlung und Rechtskenntnis
Ein zweites Training vermittelte das Erstellen von „Wasser‑Problem‑Karten“: Fotos mit Zeitstempel, GPS‑Koordinaten und Beschreibung, um Wasserprobleme zu dokumentieren. Den Teilnehmern wurde erklärt, dass der Zugang zu sauberem Wasser ein gesetzliches Recht ist, kein Gefallen der lokalen Verwaltung.
Wirtschaftliche Kalkulation und Kooperativgründung
Im dritten Training wurde der tatsächliche Kostenwert eines Liters Milch berechnet, wobei die Arbeitszeit der Betroffenen zum Mindestlohn zugrunde gelegt wurde. Anschließend zeigte man, dass eine smarte Bewässerungsautomatisierung 60 Stunden pro Monat einsparen könnte – ein Wert von etwa KZT 30 000 (USD 65,17) pro Anbausaison, ausreichend für die Rückzahlung einer gemeinsamen Pumpe. Auf Basis dieser Erkenntnisse gründeten die Teilnehmer ein Kooperativ, um die Wasserversorgung gemeinsam zu verbessern und ihre Arbeit sichtbar zu machen.
Ausblick und Weiterverbreitung
Das im vierten Training entwickelte Modell wird bereits weitergegeben: Drei Teilnehmer schulen Nachbarn, und das Kooperativ plant, einen gemeinsamen Antrag für ein intelligentes Brunnenprojekt zu stellen. Langfristig soll die Fähigkeit, den eigenen Arbeitswert zu berechnen und Beweise zu präsentieren, zu einer dauerhaften Veränderung im Dorf führen.
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