International: Zeugenbericht ĂĽber Unruhen und Diskriminierung in Xinjiang
Am 5. Juli 2009 kam es in Urumqi zu heftigen Unruhen, die unmittelbar nach den Vorfällen in Shaoguan, Guangdong, ausbrachen; ein ehemaliger Einwohner schildert die Ereignisse, die anschließende Verschärfung staatlicher Maßnahmen und die damit verbundene Zunahme von Diskriminierung gegenüber der uigurischen Bevölkerung.
Hintergrund der Erzählung
Der Erzähler wuchs in den späten 1970er‑ und 1980er‑Jahren in der Region Xinjiang auf, einer Zeit, die von wirtschaftlichen Reformen und einer relativen Stabilität geprägt war. Trotz der offiziellen Verbesserung der Lebensbedingungen bemerkte er bereits früh Unterschiede bei Bildungsmöglichkeiten und beruflichen Aufstiegschancen zwischen der uigurischen Minderheit und der mehrheitlich han‑chinesischen Bevölkerung.
Unruhen im Juli 2009
Nachdem Berichte über die Tötung uigurischer Wanderarbeiter in Shaoguan verbreitet wurden, versammelten sich am 5. Juli 2009 Menschen in den Straßen von Urumqi. Zeugen berichteten von plötzlich losbrechenden Schüssen, einem flächendeckenden Stromausfall und panischer Flucht. Die Situation wurde von Gerüchten über weitere Gewalt überschattet, was zu einer allgemeinen Atmosphäre von Angst und Unsicherheit führte.
Auswirkungen auf zwischenethnische Beziehungen
Nach den Unruhen verschärfte sich das Misstrauen zwischen uigurischen und han‑chinesischen Bürgern. Beziehungen, die zuvor von gemeinsamer Arbeit, Schule und Nachbarschaft geprägt waren, wurden von Vorsicht und vermeidenden Verhaltensweisen überschattet. Gespräche über sensible Themen wurden gemieden, und viele zuvor enge Freundschaften zerbrachen.
Repression seit 2017
Im März 2017 trat die „Xinjiang Uyghur Autonomous Region Regulation on De‑extremification“ in Kraft. Seitdem wurden zahlreiche uigurische Bürger in Internierungseinrichtungen und Gefängnisse gebracht. Intellektuelle, religiöse Führer, Künstler und gewöhnliche Arbeiter wurden Ziel staatlicher Maßnahmen, die das öffentliche Leben der uigurischen Gemeinschaft stark einschränken.
Aktuelle Lage der uigurischen Gemeinschaft
Die Folgen umfassen das Verschwinden von Moscheen, die Beschränkung uigurischer Sprachunterrichts, das Entfernen von Büchern aus öffentlichen Bibliotheken und die Trennung von Familien. Viele Bürger kennen Personen, die plötzlich nicht mehr erreichbar sind, was ein dauerhaftes Klima der Unsicherheit erzeugt.
Persönliche Einschätzung des Autors
Der Erzähler verbindet die historischen Ungleichheiten mit dem heutigen Gefühl von Staatenlosigkeit, das er als Verlust von Zugehörigkeit und Sicherheit beschreibt. Für ihn ist die fortschreitende Marginalisierung nicht nur ein politisches, sondern ein tief persönliches Erleben von Entfremdung.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
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