Zunahme von Typ-1-Diabetes bei ugandischen Kindern während der COVID-19-Pandemie
Ein retrospektiver Blick auf die pädiatrischen Diabeteskliniken in Mulago und Nsambya, Uganda, zeigt, dass zwischen März 2017 und Februar 2023 ein Anstieg neu diagnostizierter Typ-1-Diabetes-Fälle bei Kindern verzeichnet wurde. In der Analyse wurden die Zeiträume vor und während der COVID-19-Pandemie gegenübergestellt, um mögliche Auswirkungen der Pandemie auf das Auftreten der Erkrankung zu prüfen.
Hintergrund
Typ-1-Diabetes mellitus gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Während globale Daten einen Anstieg der Inzidenz prognostizieren, fehlen in vielen einkommensschwachen Ländern detaillierte Informationen. Die Autoren wollten daher den Einfluss der COVID-19-Pandemie auf das Auftreten von Typ-1-Diabetes in Uganda untersuchen.
Methodik
Die Forscher führten eine retrospektive Auswertung von Patientenakten durch. Eingeschlossen wurden Kinder im Alter von sechs Monaten bis 19 Jahren, die zwischen März 2017 und Februar 2023 neu diagnostiziert wurden. Die Fälle wurden in einen Prä‑COVID‑19‑Abschnitt (März 2017 – Februar 2020) und einen COVID‑19‑Abschnitt (März 2020 – Februar 2023) eingeteilt. Statistische Vergleiche erfolgten mittels Chi‑Quadrat‑ bzw. Fisher‑Exact‑Test, und Trendanalysen wurden mit einer unterbrochenen Zeitreihenanalyse über zwölf Halbjahresintervalle durchgeführt.
Stichprobe und Demografie
Insgesamt wurden 245 Patienten in die Analyse einbezogen. Das mittlere Diagnosealter betrug 10,9 Jahre (Standardabweichung ± 4,5), und 56 % der Fälle waren weiblich. Der Anteil weiblicher Patienten blieb in beiden Zeiträumen vergleichbar.
Ergebnisse: Fallzahlen
Während des COVID‑19‑Abschnitts wurden 148 Fälle (60,4 %) erfasst, gegenüber 97 Fällen (39,6 %) im Prä‑COVID‑19‑Abschnitt, was einem Anstieg von 52 % entspricht. Der Unterschied erreichte jedoch keine statistische Signifikanz (p = 0,1997).
Ergebnisse: Diabetische Ketoazidose
Insgesamt präsentierten sich 162 Patienten (66 %) mit diabetischer Ketoazidose (DKA) zum Zeitpunkt der Diagnose. Der Anteil betroffener Patienten war im Prä‑COVID‑19‑Abschnitt 61 % und im COVID‑19‑Abschnitt 69 %, wobei sich die Werte nicht signifikant unterschieden.
Zeitlicher Trend
Die Analyse der monatlichen Fallzahlen ergab einen Anstieg von durchschnittlich 2,7 neuen Fällen pro Monat im Prä‑COVID‑19‑Abschnitt auf 4,1 Fälle pro Monat während der Pandemie. Der Trend wurde als kontinuierlich steigend beschrieben.
Diskussion
Die Autoren interpretieren die Ergebnisse dahingehend, dass die Pandemie mit einem erhöhten Auftreten von Typ-1-Diabetes bei ugandischen Kindern einhergeht, wobei die höhere Rate von DKA‑Präsentationen mögliche Verzögerungen im Zugang zu medizinischer Versorgung widerspiegeln könnte. Sie betonen jedoch, dass die statistische Signifikanz fehlt und weitere prospektive Studien nötig seien.
Schlussfolgerung
Die Studie dokumentiert einen steigenden Trend neuer Typ-1-Diabetes-Fälle und einer hohen DKA-Rate bei Kindern in den untersuchten ugandischen Kliniken während der COVID-19-Pandemie. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer verstärkten Überwachung und frühzeitigen Diagnostik.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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